Schuldzuweisungen versus Verantwortung

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Schuldzuweisungen versus Verantwortung – wie wir Meetings effektiv durchführen, Teams stärken und uns selbst übertreffen können

Es ist 16 Uhr. Die Sommerhitze weicht langsam der beginnenden Abendkühle. Die Arbeitswege sollen effektiver gestaltet werden. Hakende Schnittstellen sollen gelöst werden. Das Meeting beginnt.

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An dieser Stelle direkt ein Tipp: Lehnen Sie sich zurück und beobachten Sie was passiert. Nichts sagen, nur zuhören. Vielleicht bemerken Sie, dass Sie sich in einer Krimiserie namens „Crimes – den Schuldigen auf der Spur“ wiederfinden.

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Je länger die Runde dauert, desto ineffektiver wird’s. Die Dynamik und Spannung hat sich weiterentwickelt. Jeder hat sich seine Schutzweste angezogen und deutet zur Abwechslung wieder auf eine andere Person. Es wurde nun nicht mehr nach Lösungen gesucht, sondern nach einem Schuldigen.

Spoiler: Es gibt weder den Einen noch die Eine.

Wenn Schuldzuweisungen ein Team (oder die Politik) wirklich weiterbringen würden, dann wären unsere Wirtschaftsunternehmen (und unser politisches System) weltweit ganz vorne mit dabei und standfest.

Die weltbekannte Ich-Botschaft bedeutet eben keineswegs: „Ich weiß, dass Du es versemmelt hast.“ Stellen Sie sich vor, Sie würden als Führungskraft einfach nur fragen: „Was kannst Du zukünftig anders machen/was brauchst Du von mir, damit dieser Fehler nicht mehr auftritt?“ Solche Sätze funktionieren auch ohne ein vorheriges Entspannungstraining.

Tatsächlich bringt uns etwas anderes deutlich weiter: die Verantwortung. (Okay, das Wort klingt nicht nice, ist aber äußerst wirksam.)

Warum wir so gerne die Schuld woanders suchen - und warum das keinen Sinn ergibt

Schuldzuweisung ist wie Fast Food: gewohnt einfach, aber keineswegs langfristig gesund.

3 Gründe, warum wir uns dessen gerne bedienen:

  • Passivität versus Aktivität: Wenn ich anderen die Schuld gebe, brauche ich nicht weiter über mein Verhalten und was ich hätte besser machen können, nachzudenken. Ich kann mich schön zurücklehnen.
  • Kontrolle: Es erhält unsere gewohnte Struktur, unser erlerntes und gewohntes Verhaltensmuster. Darauf kann ich immer schnell zurückgreifen.
  • Ventil: Es gibt uns die Möglichkeit, in gewohnten Strukturen, Frust herauszulassen, ohne selbst etwas ändern zu müssen.

Für Teams, Führungskräfte und Gleichstellungsbeauftragte bedeutet das:

˃ Schuld erfordert immer eine Täter-Opfer-Konstellation und erzeugt Dramen.

˃ Verantwortung erzeugt Lösungen und spart Nerven.

Verantwortung

Verantwortung ist kein Schuldbekenntnis, sondern eins der wichtigsten Mittel zur Kooperation.

Es bietet:

  • Verstehen statt verteidigen
  • Klären statt rechtfertigen
  • Agieren statt reagieren

Und das Beste – es verbindet mehr, als jede Grüppchenbildung.

Nicht nur für Gleichstellungsbeauftragte ist das besonders relevant, sondern auch für gute Führungskräfte und High-Potential-Teams. Denn Verantwortung hilft, nicht funktionierende Muster aufzudecken, ohne Schuldige ausmachen zu müssen. Das wahrt die Würde jeder Person und fördert die Zusammenarbeit.

Wie wir aus dem Schuld-Karussell aussteigen können

Wir brauchen keinen Heiligenschein oder unsere inneren Mitte, um aus der Schuldspirale auszusteigen.

In kleinen Schritten geübt, tut es auch die innere Haltung:

  1. Fragen statt mit dem nackten Finger auf angezogene Leute zeigen.
  2. Den eigenen Anteil benennen: Weder heroisch noch unterwürfig. Gute Teams reagieren darauf positiv – selbst montags.
  3. Was passiert ist, ist passiert. Aus der Vergangenheit lernen, um in der Zukunft anders handeln zu können.
  4. Fehlern gleichwürdig begegnen: Was Du nicht willst, dass man Dir tut, das füge keinem anderen zu.

Das Problem ist das Problem, nicht der Mensch.

Eine Kultur der Verantwortung – ein wahrer Gewinn für Führung, Teamarbeit und Gleichstellung (und Politik)

Wenn Verantwortung vor Schuld priorisiert wird, entsteht eine Arbeitskultur, die

  • weniger Dramen, mehr Klarheit produziert,
  • weniger Angst, mehr Vertrauen schafft,
  • weniger Grüppchenbildung, mehr Zusammenarbeit ermöglicht,
  • weniger Schuldige, mehr Lösungen hervorbringt.

Und ganz nebenbei führt sie zu effizienteren Meetings.

Fazit: Verantwortung bewegt. Schuld bremst. Kongruenz hilft.

Schuldzuweisungen sind menschlich, aber sowohl unpraktisch als auch unnötig.

Verantwortung ist anspruchsvoll und wirksam.

Wer den Mut hat, zuerst auf den eigenen Anteil zu schauen – egal ob als Teammitglied, Führungskraft oder Gleichstellungsbeauftragte*r – eröffnet Räume für wahrhaftige Kooperation und Innovation.